Falsche Geständnisse

Ein falsches Geständnis ist eine detaillierte schriftliche oder mündliche Aussage, in der eine Person zugibt, eines Verbrechens schuldig zu sein, das sie nicht begangen hat. Exakte Vorkommenshäufigkeiten von falschen Geständnissen lassen sich nicht feststellen, da oft ein Außenkriterium fehlt, was die Schätzung erschwert. Anhaltspunkte können Zahlen von Institutionen, die unschuldig Verurteilten helfen, Selbstberichtstudien oder Analysen von Fallmaterial liefern.

Es werden nach Kassin und Wrightsman (1985) drei verschiedene Arten von falschen Geständnissen unterschieden. vernehmungsbedingte und vernehmungsbedingte internalisierte falsche Geständnisse kommen durch druckausübende Befragungstechniken während Polizeivernehmungen zustande. Hingegen liegt ein freiwilliges falsches Geständnis vor, wenn dies nicht durch Druck der Ermittlungsbehörden entstanden ist. Zu den möglichen Motiven zählen Streben nach Berühmtheit oder der Wunsch, den wahren Täter zu schützen.

Es werden personenbedingte und situationsbedingte Risikofaktoren für falsche Geständnisse unterschieden (Kassin et al., 2010). Zu den personenbedingten zählen Persöhnlichkeitsfaktoren wie Suggestibilität und Konformität, die positiv mit der Wahrscheinlichkeit eines falschen Geständnisses korrelieren (Gudjonsson, 2003; Kassin & Gudjonsson, 2004). Außerdem sind junges Alter (Kassin, 2012), intellektuelle Beeinträchtigungen und psychiatrische Erkrankungen zu nennen (Drizin & Leo, 2004; Kassin et al., 2010). Zu den situationsbedingten Risikofaktoren werden druckausübende und manipulative Vernehmungsmethoden gezählt. Hierzu zählen beispielsweise Minimierung und Maximierung. Durch Minimierungstaktiken wird das Verbrechen u. a. bagatellisiert und dem Beschuldigten Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht. Bei der Maximierung wird dem Beschuldigten signalisiert, dass er einer Verurteilung ohnehin nicht entgehen kann und ein Geständnis sich ausschließlich strafmildernd auswirken kann. Außerdem erhöhen Schlafentzug, Nahrungsentzug oder eine lange Befragungsdauer die Wahrscheinlichkeit eines falschen Geständnisses. Oft kommt ein falsches Geständnis durch eine Kombination von situations- und personenbedingten Faktoren zustande.

Falsche Geständnisse können fatale Auswirkungen auf den weiteren Verlauf eines Strafverfahrens und die Bewertung von anderen Beweisen haben.Problematisch ist zunächst, dass sich falsche Geständnisse nicht von wahren Geständnissen unterscheiden lassen (Kassin, Meissner, & Norwick, 2005) und Personen Geständnissen oft glauben. Dies liegt vor allem daran, dass Menschen dazu tendieren Selbstberichte als wahr anzunehmen und dies vor allem, wenn sie den Eigeninteressen widersprechen (Kassin, 2012).Es hat sich außerdem gezeigt, dass falsche Geständnisse andere Beweise beeinflussen können. Anders als allgemein angenommen, hat die Beurteilung von physischen Beweismitteln auch subjektive Komponenten – vor allem bei einer uneindeutigen Beweislage. Ist dies der Fall, ergeben sich Interpretationsspielräume und Kontextinformationen (Geständnis) kommen zum Tragen, wenn es darum geht zu beurteilen, ob beispielsweise zwei Fingerabdrücke hinreichend ähnlich sind (Schneider & Sauerland, 2016).

Literatur

  • Kassin, S. M. (2012). Why confessions trump innocence. American Psychologist, 67, 431-445. doi:10.1037/a0028212.
  • Kassin, S. M., Drizin, S. A., Grisso, T., Gudjonsson, G. H., Leo, R. A., & Redlich, A. D. (2010). Police-induced confessions: Risk factors and recommendations. Law and Human Behavior, 34, 3–38. doi:10.1007/s10979-009-9188-6
  • Kassin, S. M., Meissner, C. A., & Norwick, R. J. (2005). “I’d know a false confession if I saw one”: A comparative study of college students and police investigators. Law and Human Behavior29, 211-227. doi:10.1007/s10979-005-2416-9
  • Schell-Leugers, J. M. (2014). The danger of innocence. Common sense beliefs and misconceptions about false confessions. (Doctoral dissertation, Faculty of Humanities and Sciences, Maastricht). Abgerufen unter digitalarchive.maastrichtuniversity.nl/fedora/get/guid:58946190-2c7e-48e0- a2e1-61967f88aa4d/ASSET1
  • Schell-Leugers, J. M., & Merckelbach, H. (2011). Falsche Geständnisse: Warum unschuldige Menschen Verbrechen gestehen, die sie nicht begangen haben. Das In-Mind Magazin, 1.
  • Schneider, T., & Sauerland, M. (2016, Februar, 16). Dass ich unschuldig bin, kommt später sowieso raus, oder? Nein, ein Geständnis macht alle anderen Beweise zunichte!. In-Mind Magazin. [Blogeintrag] Abgerufen unter https://de.in-mind.org/blog/post/dass-ich-unschuldig-bin-kommt-spaeter-sowieso-raus-oder-nein-ein-gestaendnis-macht-alle
  • Volbert, R., & May, L. (2016). Falsche Geständnisse in polizeilichen Vernehmungen – Vernehmungsfehler oder immanente Gefahr?. Recht und Psychiatrie, 34, 4-10.